Erinnerungsarbeit

Zum Vorfall in Leipzig, wo 2013 gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf kriminelle Vereinigung ermittelt wurde und besagte Personen überwacht und kontrolliert wurden, äußert sich nun die Koordinationsstelle (KOS) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) in einem offenen Brief.

Nach §129 im Strafgesetzbuch, der die Mitgliedschaft und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung verfolgt, setzten sächsische Justiz- und Ermittlungsbehörden 2013 ein Verfahren in Gange, dessen Ausmaß wesentlich später erst bekannt wurde.

Ein Sozialarbeiter des Leipziger Fanprojekt ist ins Visier von Ermittlungen geraten – aufgrund seiner Tätigkeit nach der Arbeitsgrundlage des „Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit“. Diese Meldung in ihrem gesamten Ausmaß ist bisher einzigartig. Insgesamt 3 Jahre wurde der Beschuldigte aufgrund eines Verdachts auf Verstoß gegen §129 abgehört, videotechnisch überwacht und seine Methoden professioneller Sozialarbeit, wie sie klassisch jeder Fanprojektmitarbeiter durchführt, wurden angezweifelt; Bildungs- und Präventionsarbeit, Diskussionsveranstaltungen sowie aufsuchende Sozialarbeit am Spieltag des Vereins waren Anlasspunkte für die Ermittlung durch das LKA Sachsen.

Sämtliche Daten der Telekommunikation sowie die Bewegungsinformationen der Mobiltelefone wurden eingesehen und gespeichert, selbst Videoüberwachung wurde durchgeführt. Die Rechtmäßigkeit dieser Verfahren wird derzeit noch hinsichtlich des Datenschutzrechts geprüft.

Fanprojekte arbeiten nach dem NKSS auf einer gegenseitigen Vertrauensbasis mit Fußballfans und Jugendlichen. Diese Vertraulichkeit und vor allem die Kredibilität der Fanprojekte werden nun durch diese Ermittlungen auf eine harte Probe gestellt, obwohl sie doch die so wichtige Grundlage für die Sozialarbeit bilden. Die Fanprojektmitarbeiterinnen und –mitarbeiter benötigen die „Nähe zur Szene“, Kenntnisse über die Routinen und Traditionen der Jugendlichen; nur so kann die Sozialarbeit professionell angegangen werden.

Die KOS und die BAG bezeichnen diese Vorfälle als einen „Vertrauensverlust auf allen Ebenen“. Sie belasten nicht nur das Verhältnis von Fanprojekten zur Polizei, sondern vor allem das zwischen Sozialarbeiter und Jugendlichen, wenn selbst der Betreuer, der eigentliche Ansprechpartner, zum Beschuldigten wird.

Genau aus diesem Schluss ist es zwingend notwendig, die Vertrauensbasis der Sozialarbeiter zu den Jugendlichen als Kernpunkt der Arbeit anzusehen und diese wichtige Facette nicht durch derartige Anschuldigungen zu gefährden.