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Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat sich intensiv mit dem Konzept der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) „Sicheres Stadionerlebnis“ befasst.

Auch die Fanprojekte erachten es für absolut sinnvoll und notwendig, dass man sich intensiv mit den im Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ aufgegriffenen Themenfeldern befasst. Dies sollte jedoch nicht unter Zeitdruck und getrieben durch eine aufgeregte öffentliche Debatte geschehen.

Es ist aus Sicht der BAG absolut unverständlich, warum nicht bereits im Vorfeld der Erstellung des Konzeptes entsprechende Expertenmeinungen eingeholt wurden. Dann wäre beispielsweise die überflüssige Forderung nach „Qualitativer Überprüfung der Fanprojekte“ sicher nicht in das Konzept aufgenommen worden, da eine solche Überprüfung bereits unter aktiver Mitarbeit der DFL in das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) aufgenommen wurde und seit zwei Jahren durch die AG Qualitätssicherung mit dem Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ umgesetzt wird. In der AG Qualitätssicherung ist die DFL übrigens auch mit einem festen Sitz vertreten.

Ebenso irritiert ist die BAG in Bezug auf die unter „Prävention“ gewählte Formulierung „Erhöhung der Drittelfinanzierung bei den Fanprojekten auf 50%“. Hier ist der Hinweis wichtig, dass es bei einer dann nicht mehr Drittel- sondern Dreierfinanzierung zu nennenden Form unbedingt in der Praxis zu einer finanziellen Verbesserung der Projekte kommen muss. Ein dementsprechender Rückzug der öffentlichen Hand sollte unbedingt vermieden werden. Forderungen nach einer 100%igen Kostenübernahme durch die DFL (bzw. den DFB) stehen hoffentlich nicht ernsthaft zur Debatte, da damit die Grundlagen des NKSS insgesamt in Frage gestellt werden würden.

Gleichfalls ist die Form und offensichtliche Intention, ein einheitliches Konzept vorzugeben, dem sich alle Vereine und Millionen von Fußballfans unterwerfen müssen, aus Sicht der BAG der absolut falsche Weg. Hinzu kommen die datenschutzrechtlich und rechtsstaatlich erst einmal zu überprüfenden Bestrebungen in Bezug auf Personalienweitergabe, Ganzkörperkontrollen, Kollektivstrafen, etc. Die Signalwirkung dieser Bestrebungen, ein eigenes Rechtssystem installieren zu wollen, ist fatal.

Die Fanprojekte sind in den vergangenen Jahren niemals müde geworden, den Dialog zwischen Fans und Verbänden zu fördern bzw. wieder in Gang zu setzen. Kein einfaches Unterfangen, da stattgefundene Gespräche bei den Vertretern der Fanorganisationen oftmals den nachhaltigen Eindruck hinterließen, dass es sich hierbei lediglich um Alibi-Gespräche ohne ernsthaftes Aufgreifen von Vorschlägen, Absprachen, o.ä. gehandelt hat. Dennoch ist es immer wieder gelungen, Vertreter der großen bundesweit agierenden Fanorganisationen an einen Tisch mit DFB/DFL zu bekommen.

So hat gerade erst die AG Stadionverbote auf Einladung des DFB ihre Arbeit aufgenommen. Die AG Fanbelange & Fanarbeit ist trotz aller schwierigen Begleitumstände ebenfalls noch aktiv, welche sich im Übrigen vor einigen Monaten auch schon mit dem Thema „Fankodex“ befasst hat.

Werden jetzt derart weitreichende Schritte eingeleitet, die sich massiv auf den Fan- und auch Vereinsalltag auswirken, ist die aufgekommene Fragestellung, warum ebendiese durch den DFB eingerichteten AGs nicht in diesen Prozess involviert wurden, aus Sicht der BAG absolut gerechtfertigt. Vereine, die sich nun die Zeit nehmen wollen, mit den lokalen Fanvertretern intensiv über die Strukturänderung zu diskutieren, haben aufgrund der engen zeitlichen Vorgaben kaum die Möglichkeit hierzu.

Die Tatsache, dass bei der Erstellung des Konzeptpapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ weder Fanbeauftragte noch die sozialpädagogischen Fanprojekte involviert waren, ja nicht einmal die für Fanbelange zuständigen hauptamtlichen Mitarbeiter bei DFL und DFB einbezogen wurden, kann den Eindruck entstehen lassen, dass entsprechende Expertenmeinungen nicht gewünscht waren. Dabei müsste gerade die Umsetzung der verschiedenen Punkte in der Praxis ein zentrales Thema sein. Wenn man die verschiedensten Szenarien durchspielt, wird man schnell feststellen, welche Schwierigkeiten und massiven Problemfelder entstehen können.

Die Mitglieder der BAG sind nicht bereit, die Scherben, die dieses Konzept - sofern es in der vorliegenden Fassung verabschiedet wird - verursachen wird, wieder aufzukehren. Dies haben die Fanprojekte in der Vergangenheit oft genug getan. Die sozialpädagogischen Fanprojekte setzen sich seit jeher in ihrer unabhängigen Funktion für Transparenz, Aufklärung und Verständnis bei allen Protagonisten im Umfeld des Fußballsports ein. Hierbei wird stets darauf geachtet, dass dies in alle Richtungen geschieht.

In der vorliegenden Situation gehört dementsprechend auch dazu, die Fans darüber aufzuklären, was dieses Konzept für sie in der Zukunft bedeutet.

Aus Sicht der BAG befinden wir uns derzeit an einem Scheideweg, an dem man genau überlegen sollte, wie man weiter vorgeht. Die teils populistische Generalverurteilung von Fußballfans, dazu eine Gewaltdebatte, die selbst durch die Zahlen der ZIS nicht gestützt wird, bringen ganz sicher nicht weiter, vielmehr stärkt man durch dieses Verhalten nur die radikalen Kräfte in den Fanszenen. Dies kann und darf nicht das Ziel der DFL oder des DFB sein. Man muss sich genau überlegen wie man die „normalen“ und „gewillten“ Fans stärkt, und dies geht nur mit Kommunikation auf Augenhöhe, was leider viel zu selten praktiziert wird.

Die BAG appelliert an die DFL, das vorliegende Konzeptpapier zurückzuziehen und gemeinsam mit  Vereinen, Fanprojekten und Fans bestenfalls jeweils auf lokaler Ebene und insbesondere unter Berücksichtigung der teils grundverschiedenen örtlichen Strukturen die fanrelevanten Themenfelder neu zu erarbeiten. Die vorliegende Fassung wird von der BAG jedenfalls strikt abgelehnt.


i.A. Thomas Beckmann / Matthias Stein
BAG-Sprecher