Politische Bildung: Bildungsreise des Fanprojekts und der Fanbeauftragten nach Thüringen

„Es gibt kulturelle Unterschiede, aber keine zivilisatorischen. Wenn wir in Gesellschaften leben, (…) dann bedeutet es, dass jedes Individuum dieselben fundamentalen Rechte hat. Sie bedeuten zugleich, dass man miteinander leben kann, dass man sich gegenseitig respektiert, dass man Verantwortung für den anderen hat – das ist Zivilisation.“ Dieses Zitat stammt von Stéphane Hessel, französischer Diplomat, Widerstandskämpfer und Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora. Es schmückt die Seminarräumlichkeiten der internationalen Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte. Das Fanprojekt Bochum schaffte in Kooperation mit den Fanbeauftragten des VfL Bochum 1848 nach 2018 und 2019 bereits in dritter Auflage ein politisches Bildungsangebot für Fußballfans, das die Verankerung demokratischer Prinzipien und Werte innerhalb der Zielgruppe unterstützt.

Es waren vier bewegende Tage, die die Fans des VfL gemeinsam in Thüringen verbrachten. Bereits am frühen Donnerstagmorgen machte sich die Gruppe per Bus vom Ottokar-Wüst-Platz aus auf den Weg nach Weimar, um dort den ersten gemeinsamen Programmpunkt zu erleben. Axel Stefek vom Weimarer Stadtarchiv begrüßte die Bochumer Gruppe, um im Rahmen einer rund zweistündigen Stadtführung insbesondere von der Zeit des Deutschen Reiches (ab 1919) bis zur Machtergreifung Adolf Hitlers zu berichten. Am Abend wurde das Programm des ersten Tages durch das Schauen des Dokumentarfilms „Hitlers Weimar“ sowie einer offenen Reflektionsrunde abgerundet.

2022 11 24 25 Buchenwald Tag3 4 22Die nächsten zwei Tage verbrachte die Gruppe dann zu weiten Teilen auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald. Gemeinsam mit Jan Malecha und Ronald Hirte, zwei Mitarbeitenden der Bildungsabteilung, wurde die Gedenkstätte erkundet. Durch viele Hintergrundinformationen sowie persönliche Geschichten über die Häftlinge Buchenwalds gelang es Malecha und Hirte, der Bochumer Gruppe die - im wahrsten Sinne des Wortes – unfassbaren Geschehnisse der NS-Zeit in Buchenwald und Umgebung näher zu bringen. Dabei wurde der Fokus nicht nur auf das Leben der Häftlinge sowie der SS-Soldaten gelegt, auch die generelle Organisation des gesamten KZ-Geländes wurde beleuchtet. In diesem Rahmen verfolgte die Gruppe außerdem einen Vortrag von Dr. Michael Löffelsender über die 141 Außenlager des KZ Buchenwald, in denen bis 1945 unzählige Opfer des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter*innen lebten. Auch in Bochum fanden sich mit dem Bombenräumkommando der III. SS-Baubrigade, sowie den Lagern beim BochumerVerein und den Eisen- und Hüttenwerken drei ebendieser Außenlager. Weiterführende Informationen zu den Außenlagern Buchenwalds und dem entsprechenden Forschungsprojekt gibt es hier.

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Am zweiten Tag in der Gedenkstätte wurde zunächst das Museum, das sich im alten Zentrallager auf dem Lagergelände befindet, besucht. Rund zwei Stunden hatten die Teilnehmenden Zeit, um in Eigenregie die zwei Etagen des Museums zu begehen. Besonders eindrücklich wurde dabei durch unzählige Originaldokumente aus der NS-Zeit sowie Bild-, Video- und Audioaufnahmen das Leben im KZ beleuchtet. Am Nachmittag wurde der Fokus dann auf die Besichtigung der „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ gelegt, dem großen Nationaldenkmal auf der Südseite des Ettersbergs, auf dem sich das ehemalige KZ befindet. Hier wurde von der Gruppe ein Gedenkkranz des Fanprojekts sowie des Vereins niedergelegt und den Opfern des Nationalsozialismus gedacht.

Abgeschlossen wurde das intensive und emotional herausfordernde Wochenende am Sonntag mit einem Besuch des Erinnerungsortes „Topf & Söhne“ in Erfurt. In der Thüringer Landeshauptstadt wurden zur NS-Zeit durch das Familienunternehmen J. A. Topf & Söhne nicht nur die Verbrennungsöfen für die Krematorien verschiedener Konzentrationslager hergestellt. Auch die Gaskammern, in denen unzählige Opfer des Nationalsozialismus ihr Leben verloren, wurden teilweise von der Erfurter Firma konzipiert. Nachdem die Firmengeschichte jahrzehntelang zu weiten Teilen verschwiegen wurde, wurde die Aufarbeitung der Historie von Topf & Söhne erst Ende der 1990er Jahre intensiviert. Seitdem ist der Erinnerungsort am alten Firmensitz in Erfurt entstanden. Ein Einführungsfilm sowie ein Besuch im Museum des Erinnerungsortes sorgten dafür, auch diesen Teil der NS-Zeit besser verstehen zu können.2022 11 24 25 Buchenwald Tag3 4 154

Eine unvergessliche und nachhaltig prägende Fahrt für die TeilnehmerInnen endete mit dem Besuch dieses Erinnerungsortes. Das Erfahrene und Erlernte nie zu vergessen ist eine Aufgabe für die Gegenwart und Zukunft.

Das Fanprojekt Bochum und die Fanbeauftragten des VfL Bochum 1848 bedanken sich bei allen Teilnehmenden und Mitwirkenden für die gemeinsame, lehrreiche Zeit sowie die hervorragende Atmosphäre und das Vertrauen innerhalb der Gruppe. Ein Nachtreffen ist geplant

Weiterführende Informationen zur Gedenkstätte Buchenwald sowie zum Erinnerungsort „Topf und Söhne" sind hier und hier zu finden.