Benennung des Erich-Gottschalk-Platzes

Die Castroper Straße wird wie kein anderer Ort in Bochum mit Fußball assoziiert. Tausende Fans strömen bei Heimspielen die "Casse" hinauf - von der Bochumer Innenstadt in Richtung Ruhrstadion. Im Bereich des letzten Straßensegements der Castroper Straße kurz vor dem Nordring befand sich in den 1930er Jahren das Vereinsheim des Fußballvereins Schild Bochum, der am 26.06.1938 letzter Deutscher Fußball-Meister im Schild Verbund wurde. Seit mittlerweile drei Jahren bietet das Fanprojekt Bochum gemeinsam mit der AG "1938 nur damit es jeder weiß" Stadtrundgänge an, die neben der Entstehungsgeschichte des VfL Bochum 1848 und der NS-Zeit in Bochum die Geschichte der jüdischen Fußballmeister von 1938 thematisieren. Geschichte bzw. Geschichtsbewusstsein wird so niederschwellig über den Fußball vermittelt. An dem Ort des ehemaligen Vereinsheims, der eine zentrale Station des Rundgangs darstellt, erinnerte und informierte bis heute kein Straßenschild, keine Informationsstele und kein Erinnerungszeichen an die "vergessenen" Fußballmeister. Dies änderte sich mit der Amtlichen Benennung des Erich-Gottschalk-Platzes am 24.06.2021. Bis zur Einweihung des Platzes am 26.06.2022, am 84. Jahrestag der Meisterschaft von Schild Bochum, wird der Bochumer Künstler Marcus Kiel ein Erinnerungszeichen gestalten. Dr. Manfred Keller, Verantwortlicher des Projekts "Im jüdischen Bochum - Spurensuche auf dem Stelenweg", konzipiert eine Informationsstelle zum jüdischen Sport und dem Verein Hakoah/Schild Bochum. Das Fanprojekt Bochum koordiniert die Gestaltung und Nutzung des entstehenden Lern- und Erinnerungsortes. Schirmherr des Projekts ist Oberbürgermeister Thomas Eiskirch.

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Erich Gottschalk ist wenigen Bochumerinnen und Bochumern bekannt. Lediglich die ihm und seiner Familie gewidmeten Stolpersteine in der Luisenstraße verweisen auf  das Schicksal der Gottschalks. Mit der Benennung eines Platzes nach Erich Gottschalk an der Castroper Straße erinnert das Fanprojekt Bochum gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen an die Geschichte des jüdischen Fußballmeisters Schild Bochum und seines Kapitäns. „Die Benennung des Erich-Gottschalk-Platzes ist ein wertvoller Beitrag für die Erinnerungskultur in Bochum“, so Thomas Eiskirch. „Der Platz liegt direkt auf dem Weg zum Stadion. Jeder Fan kommt an ihm vorbei.“

Erinnerung an einen Fußballmeister

Erich Gottschalk besuchte die Goethe-Oberrealschule, die sich in unmittelbarer Nähe dieses Ortes befindet. Er war Mitglied in einem Vorgängerverein des VfL Bochum 1848. Am 26.06.1938 führte er Schild Bochum zur Meisterschaft im Schild Verbund. Das Endspiel wurde mit 4:1 gegen Schild Stuttgart auf dem Sportplatz am Fort Deckstein in Köln gewonnen.

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Nach der Pogromnacht im November 1938 wurde Erich Gottschalk in das Konzentrationslager Oranienburg deportiert. Die Familie emigrierte nach der Freilassung Erichs in die Niederlande. Erichs Frau Rosa sowie seine dreijährige Tochter Renée wurden in Auschwitz am 6. Oktober 1944 ermordet. Erich überlebte den Holocaust und erfuhr erst bei seiner Rückkehr in die Niederlande von dem traurigen Schicksal seiner Familie (Fotorechte Yad Vashem).

Das Projekt als Zeichen der Bochumer*innen gegen Antisemitismus

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Mit der Amtlichen Benennung am 24.06.2021 und der geplanten Einweihung am 26.06.2022 im Rahmen eines Straßenfestes vom Erich-Mendel-Platz bis zum Erich-Gottschalk-Platz rückt der "Arbeitskreis Erich-Gottschalk-Platz" jüdisches Leben in Bochum in den Mittelpunkt. Die Einbindung der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen war den Initiator*innen von Beginn an ein wesentliches Anliegen. Die Finanzierung der Gestaltung sowie einer lebendigen und authentischen Nutzung des Lern- und Erinnerungsortes erfolgt über Zuwendungen der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL), durch Spenden der USB Bochum GmbH, die AWO UB Ruhr-Mitte sowie durch Mittel, die über weitere Spenden akquiriert werden. Die Freischaltung des Online-Spendenportals www.erich-gottschalk-platz.de wird zeitnah durch die AWO UB Ruhr-Mitte erfolgen. Wer dieses Projekt als ein Zeichen für Vielfalt und Demokratie unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto der AWO UB Ruhr-Mitte spenden:

IBAN: DE10 4305 0001 0001 3256 12

Verwendungszweck: Fanprojekt / Erich-Gottschalk-Platz

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Den Erich-Gottschalk-Platz wird ein Kunstwerk des Bochumer Künstlers Marcus Kiel zieren. Kiel hat bereits zahlreiche künstlerische Projekte im Bereich der lokalen Erinnerungskultur umgesetzt. Er gestaltete u. a. die Gedenkinstallation "Laute Stille" des Erinnerungsortes "Zwangsarbeiterlager Saure Wiese 1942 - 1945" sowie das Mahnmal am Zentralen Betriebshof der Technischen Betriebe, das an das ehemalige Außenlager Brüllstraße des KZ Buchenwald erinnert. Der Künstler hat zudem eine hochwertige und exklusive Stahledition mit dem Mannschaftsfoto von Hakoah Bochum - so hieß der Verein Schild Bochum bis zu seiner erzwungenen Umbenennung im Jahr 1933 - erstellt. Ein Exemplar aus der streng limitierten Auflage kann bei Marcus Kiel (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) für 100,00€ bezogen werden. Die daruch eingenommenen Gelder fließen ebenfalls in das Projekt.

 

Dr. Manfred Keller, der die "AG Stelenweg" der Evangelischen Stadtakademie Bochum leitet, erarbeitet mit Historiker*innen und Schüler*innen für den Erich-Gottschalk-Platz eine Stele, die über den jüdischen Sport in Bochum sowie den Fußballverein Hakoah / Schild Bochum informiert. Somit wird der Erich-Gottschalk-Platz ebenfalls zur Station des Bochumer Stelenwegs, der an zentrale Orte jüdischen Lebens in Bochum erinnert. Darüber hinaus werden Bänke und eine ansprechende Begrünung des Platzes Besucher*innen zum Verweilen einladen.

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Schaffung eines erinnerungskulturellen Netzwerks

Das Projekt "Erich-Gottschalk-Platz" wird von folgenden Kooperationspartner*innen unterstützt und getragen:

Stadt Bochum (Oberbürgermeister, Jugendamt, Amt für Geoinformation. Liegenschaften und Kataster)

Arbeiterwohlfahrt Unterbezirk Ruhr-Mitte

Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen

Integrationsagentur ZIVA - Zusammen für Integration und Vielfalt, gegen Antisemitismus

Evangelische Stadtakademie Bochum

USB Bochum GmbH

VfL Bochum 1848

Faninitiative Bochum e.V.

AG "1938 nur damit es jeder weiß"

Lernen durch Erinnern

Bochumer Bündnis gegen Rechts

Kinder- und Jugendring Bochum e.V.

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Die Kooperationspartner*innen eint ihre Betätigung im Bereich der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. "Wir als Fanprojekt Bochum freuen uns, ein Teil eines solch vielfältigen Netzwerks von Engagierten im Bereich der Erinnerungsarbeit zu sein. Die lebendige Nutzung des Erich-Gottschalk-Platzes als Lern- und Begegnungsort wird zukünftig ein weiterer Eckpfeiler der Erinnerungs- und politischen Bildungsarbeit des Fanprojekts darstellen", führt Florian Kovatsch vom Fanprojekt Bochum an. Bochumer Einrichtungen, die bei der Einweihung des Platzes im nächsten Jahr mitwirken möchten, können sich über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an das Fanprojekt Bochum wenden.